Der Protest gegen die Sklaverei
vom 18. April 1688
"Aus folgenden Gründen sind wir gegen den Handel mit menschlichen Körpern. Gibt es irgendjemanden, der auf solche Weise behandelt werden will, das heißt, verkauft oder zum Sklaven gemacht für den Rest seines Lebens?
Wie angstvoll und mutlos werden viele auf See, sobald sie ein fremdes Schiff erblicken. Sie haben Angst, es sei ein Türke, und sie könnten überfallen und als Sklaven in die Türkei verkauft werden. Was ist besser an diesem, was bei uns vorliegt, als an jenem, was die Türken tun? Im Gegenteil, es ist sogar schlimmer bei solchen, die sich Christen nennen.
Wir erfahren, dass die meisten Schwarzen gegen ihren Willen und ihr Einverständnis hierher gebracht werden; und dass viele von ihnen geraubt werden. Auch wenn sie schwarz sind, so vermögen wir nicht zu erkennen, dass es mehr Freiheit gäbe, sie als Sklaven zu halten, als es gäbe, andere, Weiße als Sklaven zu halten. Es gibt das Wort, wir sollen allen Menschen so tun, wie wir wollen, dass uns selber getan werde; indem wir keinen Unterschied machen, welchen Geschlechts, welcher Abkunft oder Farbe sie seien.
Jene, die Menschen stehlen oder rauben, und jene, die sie kaufen oder verkaufen, sind sie nicht einander gleich? Es herrscht hierzulande Gewissensfreiheit, was richtig und vernünftig ist; es muss hier gleicherweise Körperfreiheit herrschen, Verbrecher ausgenommen, das ist ein anderer Fall.
Jedoch diesem: Menschen hierher zu bringen oder sie zu rauben und zu verkaufen gegen ihren Willen, diesem widerstehen wir. In Europa werden viele um ihres Gewissens willen unterdrückt; und hier werden jene unterdrückt, die von schwarzer Farbe sind.
Und obwohl wir wissen, dass Menschen keinen Ehebruch begehen dürfen, begehen manche Ehebruch an anderen, indem sie Frauen von Männern trennen und sie anderen geben, und manche verkaufen die Kinder dieser armen Geschöpfe fremden Menschen. Oh, bedenkt diese Dinge genau, ihr, die ihr sie tut, ob ihr wollt, dass auch euch auf solche Art getan werde. Und ob es vereinbar sei mit Christlichkeit. Ihr übertrefft die Holländer und Deutschen darin.
Übel wird es vermeldet in allen Ländern Europas, die davon erfahren, dass Quäker hier mit Menschen handeln, wie man dort mit Vieh handelt. Daher verspüren mache weder Grund noch Neigung, hierher zu kommen. Und wer sollte auch eure Sache vertreten oder verteidigen? Wir können das wahrhaftig nicht, es sei denn, ihr könntet uns davon überzeugen, dass Christen die Freiheit besitzen, solches zu praktizieren. Bitte! Was auf der ganzen Welt kann uns Schlimmeres angetan werden, als wenn Menschen uns rauben oder fortstehlen und als Sklaven in fremde Länder verkaufen und dabei Mann und Frau und Kinder trennen. Darum, weil dies nichts ist, was uns auf solche Weise angetan werden darf, widersprechen wir und sind gegen den Handel mit menschlichen Körpern.
Wir, die wir bekennen, dass Diebstahl widergesetzlich ist, müssen gleicherweise vermeiden, Gestohlenes zu kaufen. Vielmehr müssen wir dazu beitragen, das Rauben und Stehlen möglichst zu beenden; und Geraubtes muss aus den Händen der Diebe gerettet und so frei gemacht werden wie in Europa. Dann wird man von Pennsylvanien Gutes vermelden; stattdessen vermeldet man in anderen Ländern um der genannten Sache willen nun Schlechtes. Besonders, da die Europäer begierig sind zu erfahren, auf welche Weise Quäker ihre Provinz leiten, und die meisten von ihnen mit neidvollem Augen auf uns schauen. Aber wenn das Genannte für eine gute Tat gilt, was sollen wir dann sagen, sei eine schlechte Tat?
Sollten sich diese Sklaven (von denen man behauptet, sie seien eigensinnig und stur) zusammentun, für ihre Freiheit kämpfen und ihre Herren und Herrinnen behandeln, wie diese sie zuvor behandelt haben, werden dann die Herren und Herrinnen das Schwert zur Hand nehmen und Krieg führen gegen diese armen Sklaven - was, wie wir glauben möchten, einige nicht ablehnen dürften? Oder haben diese Schwarzen nicht so viel Recht, für ihre Freiheit zu kämpfen, wie ihr, sie weiter als Sklaven zu halten?
Nun bedenkt die Sache genau, ob sie gut oder schlecht sei. Und gesetzt, ihr findet es gut, diese Schwarzen zu behandeln, wie ihr tut, so wünschen und verlangen wir hiermit in Liebe, von euch darin unterrichtet zu werden, was bis jetzt noch nicht geschehen ist: dass Christen die Freiheit hätte, so zu handeln. Am Ende mögen wir in diesem Punkt zufriedengestellt sein und gleicherweise unsere Freunde und Bekannten in unserem Geburtsland Deutschland zufriedenstellen, denen es ein Grauen und eine Fürchterlichkeit ist, dass Menschen so behandelt werden wie in Pennsylvanien."
Unterzeichnet wurde das Protestschreiben der Quäker von Germantown von Gerret Hendericks, Derick op de Graeff, Abraham po Den Graef und Franz Daniell Pastorius
(Zitiert nach.: Markus Grimm, Vom Suchen und Finden der Freiheit. Franz Daniel Pastorius - Das Leben eines Aussteigers, Sommerhausen 2021)